Tobias Troll Sven Voigtländer AIDS-Aufklärung in Akatsi, Ghana Dokumentation der Methoden ASA Program Germany & National Youth Council Ghana 2002 In der zweiten Jahreshälfte 2002 wurde im Verwaltungsbezirk Akatsi in Ghana im Rahmen des ASA-Programms der InWEnt gGmbH und in Zusammenarbeit mit dem National Youth Council, Ghana folgendes Projekt durchgeführt: HIV/AIDS-Aufklärung für Jugendliche im ländlichen Raum. Die drei ASA-Teilnehmer Tobias Troll, Sven Voigtländer und Irma Welinsky wollen im Rahmen dieser Dokumentation, die gleichzeitig als Auswertungsbericht für das ASA-Programm dient, Ausschnitte der Aufklärungskampagne vorstellen. Das Paket besteht aus einer Broschüre und einen begeleitendem Video. Inhaltsverzeichnis 1 EINLEITUNG 2 DIE MODULE 2.1 Eröffnung 2.2 Mausspiel 2.3 AIDS-Graph 2.4 Unser-Körper-Rollenspiel 2.5 Ampelspiel 2.6 Boote der Hoffnung 2.7 Kondom-Demonstration 2.8 Geschlechtskrankheiten im Allgemeinen 2.9 Leticias Geschichte 2.10 ABC-Lied 2.11 Fragen, Diskussion, Standpunkte 3 WEITERE MODULE 4 QUELLENVERZEICHNIS 1 Einleitung Diese Broschüre dient dem Zweck, die von uns erlebten Erfahrungen zu problematisieren, zentrale Module des Aufklärungsprogramms näher vorzustellen sowie diese anderen zugänglich zu machen und mit ihnen zu teilen. Wir möchten somit andere Menschen, die in diesem Aufgabenfeld oder einem vergleichbaren Kontext arbeiten in ihrer Arbeit und der Umsetzung entsprechender Vorhaben unterstützen. Gleichzeitig sind wir uns der Begrenzungen unserer Darstellungen sowie ihrer Unvollkommenheit bewusst, die ein Aufenthalt von nur wenigen Monaten mit sich bringt. In diesem Sinne betrachten wir diese Broschüre als Anregung, weniger als vollendetes Wissen und wollen so einen Beitrag leisten, gemachte Erfahrungen in die weitere interkulturelle Zusammenarbeit einmünden zu lassen. Der direkte Kooperationspartner vor Ort war das örtliche Jugendbüro des National Youth Council im Verwaltungsbezirk Akatsi, Ghana. Dieses Jugendbüro initiierte auch die Bildung eines Akatsi Jugendkomitees. Darüber hinaus bestanden auf Verwaltungsbezirksebene noch Kontakte zu Vertretern des Sozialamts sowie des Amts für Bildungswesen. Alle genannten Einrichtungen waren an der Planung der HIV/AIDS-Aufklärungskampagne beteiligt. So konnten wir einen ersten Einblick in die örtlichen Sichtweisen und Einstellungen gewinnen. Die Bereitschaft dieser Partner, sich in die inhaltliche Konzeption des Programms einzubringen, war jedoch sehr gering. So erarbeiteten wir vor allem anfangs eine unbewusst sehr “europäische" Konzeption. Diese Konzeption war stark wissensorientiert, fußte auf einem Zuviel an Material und zielte wenig auf Aspekte von Stigmatisierung und Bewusstseinsänderung ab. Mit fortschreitender Dauer versuchten wir die Kampagne einfacher, verständlicher zu machen und mehr zu visualisieren, um dadurch den Erfolg der Kampagne zu erhöhen. Dementsprechend ließen wir z.B. ein nicht eindeutiges Poster zur Erklärung des Kondomgebrauchs weg und ersetzten manche Tafeln des “Ampelspiels" durch echte und greifbare Gegenstände. Im Gegensatz zu diesem eher “aufdringlichen" Programm verlängerte Sven Voigtländer seinen Aufenthalt und bot Gruppenberatung zu HIV/AIDS an. Die diesbezügliche Vorgehensweise war sehr viel sanfter und integrierter. Durch die Verwendung von Gesprächsforen wurden die Schwerpunkte den sich herauskristallisierenden Kategorien des Aufklärungsprogramms - Stigmatisierung, Ängste, unklare und sich widersprechende Informationen sowie Geschlechterfragen - besser gerecht. Einen Teil der Gruppenberatung bildete auch die Trennung der Gesprächsforen nach Geschlecht und Alter zur Förderung einer breiten Diskussion. Nicht zuletzt wurde der Koordination mehr Aufmerksamkeit geschenkt; Termine wurden eng mit den jeweiligen Orten, deren Kirchen sowie Schulen vereinbart und eine zuverlässige Transportmöglichkeit wurde im Vorfeld sichergestellt. Gegen Ende wurde dieses Verlängerungsprogramm mehrheitlich durch die ghanaischen Partner getragen. Die kontinuierliche Abstimmung des Programms auf den lokalen Kontext erscheint uns von großer Bedeutung. Entsprechende Einflussfaktoren und zu beachtende Bedingungen waren in unserem Fall Grad der Alphabetisierung und das allgemeine Bildungsniveau, das Auseinanderfallen von Amts- und Regionalsprache, die Religiosität, die materielle Infrastruktur wie z.B. Transportmittel und Videorecorder und makroökonomische Daten wie das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen im Jahr. Konkret hatte dies z.B. die ständige Begleitung durch Übersetzer, die Differenzierung des Programms nach Bildungstand, Zielgruppe, 12 bis 49-jährige in Schulen oder Gemeinden, und Religiosität zur Folge. Ein weiterer zentraler Punkt in der Planung und Durchführung dieser HIV/AIDS-Aufklärungskampagne war in unseren Augen die fortwährende konzeptionelle Arbeit und Reflektion, ohne die man schlimmstenfalls nichts und niemanden erreicht. Neben den schon genannten Verbesserungen thematisierten wir beispielsweise jugendliche Schwangerschaft in Form einer frontalen Lehreinheit. Das war nicht besonders attraktiv, zumal die Konzentrationsfähigkeit auf Seiten des Publikums gegen Ende des Programms zunehmend schwand. Wir ersetzten die frontale Lehreinheit durch eine Kurzgeschichte und konnten so das Publikum mehr fesseln. Abschließend möchten wir noch einige Punkte nennen, die uns als grundsätzlich in der Aufklärungsarbeit erscheinen. Neben Kontextbezogenheit und einem positiven Menschenbild sind Partizipation und Integration sowohl auf Seiten des durchführenden interkulturellen Teams als auch des Publikums wichtig. Dazu zählt auch die Zweisprachigkeit der Materialien. Auch ist in unseren Augen der Gesamtzusammenhang bedeutender als die vielen Details, so dass oft prägnante Vereinfachungen angemessen sind. Zuletzt und besonders wichtig ist die Ausrichtung der Argumentationen an der Lebenswelt des Publikums. Argumentationen zu Stigmatisierung und deren Ursachen müssen an der Lebenswelt der Zuhörer ansetzen bzw. auf diese herab gebrochen werden, um wirksam eine Veränderung von Einstellungen zu ermöglichen. Aus Gründen der Vereinfachung verwenden im Folgenden männliche Personenbezeichnungen, die sich jedoch ebenso auf die weibliche Entsprechung beziehen. 2 Die Module Im Folgenden werden die Module im Einzelnen vorgestellt. Die Module, die auch per Video dokumentiert sind, sind mit einer Kassette (VIDEO) gekennzeichnet. Eröffnung Mausspiel (VIDEO) AIDS-Graph (VIDEO) Unser-Körper-Rollenspiel (VIDEO) Ampelspiel (VIDEO) Boote der Hoffnung (VIDEO) Kondomdemonstration Referat zu sexuelle übertragbaren Infektionen Leticia's Geschichte ABC-Lied Fragen, Diskussion, Standpunkte 2.1 Eröffnung Die Eröffnung dient dazu, Referenten und Publikum miteinander vertraut zu machen und einander vorzustellen. Zum anderen kann ein Überblick zu dem folgenden Ablauf, indem Erwartungen, Ziele und zentrale Module angerissen werden, erfolgen. In knapper Form ist eine solche Eröffnung auch für die einzelnen Module zu empfehlen. Im Vorfeld der Eröffnung sollten alle Vorbereitungsmaßnahmen wie z.B. die Bereitstellung der benötigten Materialien abgeschlossen sein, um ein flüssiges Programm zu gewährleisten. 2.2 Mausspiel Ziele: Das Mausspiel soll das Eis zwischen Publikum und Referenten brechen und somit eine lockere und interaktionsbereite Stimmung schaffen. Darüber hinaus sollen die Referenten einen Eindruck von Wissenstand und den existierenden Vorurteilen zu HIV/AIDS des Publikums erhalten. Die Referenten wissen anschließend, wo sie die Menschen “abholen" müssen. Materialien: * ein werfbarer Gegenstand * Poster oder ähnliches als Anregung [In unserem Fall eine Stoffmaus und ein Poster mit der Überschrift “Was hast Du über AIDS gehört?", auf dem zwei ghanaische Kinder mit Fragen zu HIV/AIDS abgebildet sind] Beschreibung: Interaktives Spiel zum kennen lernen. Durchführung: Der Referent beginnt das Spiels mit der auslösenden Frage: “Was hast Du über AIDS gehört?" und wirft die Maus in das Publikum. Derjenige, der die Maus fängt, ist aufgefordert, der Gruppe zu sagen, was er schon über AIDS gehört hat. Anschließend wirft die Person die Maus zum Referenten zurück. Dabei stellt der Referent zu Beginn klar, dass Antworten auch in der Regionalsprache gegeben werden können, er keinen Wissenstest mit richtigen und falschen Antworten durchführt und erweitert die Frage um "Was haben Dir Eltern, Freunde oder Medien über HIV/AIDS berichtet?", um die Befürchtung der eigenen Entblößung zu nehmen. Der erste Fänger ist ein Mitglied des Referententeams und erzählt, was wer ihm erzählt hat. Dabei können auch provokante und bewusst falsche Aussagen getroffen werden, um das Publikum anzuregen bzw. herauszufordern. Die Wertschätzung jeder getroffenen Aussage durch Klatschen oder ähnliches erscheint uns wichtig, um das Spiel voranzutreiben und Scheu abzubauen. Dauer: 5 Minuten. [Diese Zeitangabe ist die durchschnittliche Dauer, die wir für den Abschnitt benötigten und dient nur als grobe Orientierung. Die Dauer des Moduls ist kontextabhängig und mag im Einzelfall mal 2 oder auch 10 min. usw. betragen. Dieser Hinweis gilt ebenso für alle weiteren Module.] Probleme: [In diesem Abschnitt geht es uns darum, beispielhaft ein paar Probleme darzustellen und zu zeigen, welche Reaktion in unserem Fall Erfolg versprechend war] * Nach Bekanntgabe des Spiels oder den ersten Würfen ergreifen Menschen die Flucht. Menschen, insbesondere Frauen, trauen sich nicht, zu antworten. > Würfe vor allem auf Leute, die weniger Scheu zeigen (junge Männer nach unserer Erfahrung) oder das Spiel ggf. abbrechen Erweiterungen und Alternativen: * Menschen werfen den Gegenstand nicht zum Referenten zurück, sondern selbst weiter. 2.3 AIDS-Graph Ziele: Das Publikum soll eine klare Vorstellung darüber bekommen, was HIV und AIDS sind und wie diese zusammenhängen. Die Einheit soll die Wirkungsverkettung zwischen dem Erreger HIV und dem Krankheitsbild AIDS deutlich machen. Materialien: * 2 Schilder mit den ausgeschriebenen Bedeutungen der Abkürzungen HIV und AIDS * Tafelbild Beschreibung: Aufbau und Erklärung eines Tafelbildes. Durchführung: Die beiden Schilder werden, erklärend, was AIDS und HIV bedeuten, an die Tafel geklebt. Hierbei ist es wichtig, dass der Referent die Begriffe herab bricht und verständlich macht. In unserem Fall gab es keine regionalsprachlichen Entsprechungen für “Immunodeficiency", “Immune Deficiency", “Virus" und “Syndrome". Anschließend zieht der Referent einen Pfeil von HIV zu AIDS, der den zeitlichen und Wirkungszusammenhang verdeutlicht. Eine HIV-Infektion führt sicher zu AIDS. Eine weitere Linie als y-Achse des Schaubilds stellt die Stärke des Immunsystems dar. Das Einzeichnen einer abfallenden Kurve verdeutlicht, dass die zum Zeitpunkt der Infektion noch intakten Abwehrkräfte des Körpers sich verringern. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es dem Immunsystem zunehmend weniger gelingt, Krankheitserreger abzuwehren und/oder die Gesundung voranzutreiben. Am Ende dieses Prozesses befindet sich der Betroffene im Vollstadium AIDS, welches durch verschiedene Symptome gekennzeichnet ist und mit dem Tod endet. Am Ende betonten wir individuelle Unterschiede dieses zwangsläufigen Verlaufs und der Dauer von der HIV-Infektion bis zu ersten Anzeichen des Krankheitsbilds AIDS. Als beispielhafte Dauern nannten wir 2, 5 oder 10 Jahren, zumal die Abwehrkräfte unter schlechten Lebensbedingungen schon von Grund auf geschwächt sind. Die individuellen Unterschiede der Dauer bis zum Ausbruch von AIDS verglichen wir mit individuellen Unterschieden bei Statur, Gewicht, Körpergröße sowie dem erreichten Lebensalter. Dauer: 10 Minuten. Probleme: * Darstellung mit Hilfe des Koordinatensystems ist evtl. zu abstrakt. Bei geringer Alphabetisierung und englischen Sprachkenntnissen macht die Worterklärung von HIV und AIDS wenig Sinn. > Flexible Verwendung dieses Moduls und evtl. reduzieren oder komplett weglassen Erweiterungen und Alternativen: * Das Modul AIDS-Graph wird gänzlich weggelassen, die enthaltene Information (HIV und AIDS, zeitliche Abfolge, Wirkungszusammenhang und Dauer) fließt in das Unser-Körper-Rollenspiel. 2.4 Unser-Körper-Rollenspiel Ziele: Nach der etwas trockenen Frontaleinheit “AIDS-Graph" soll der Zusammenhang zwischen Infektion und Krankheitsbild nochmals einprägsam und interaktiv vermittelt werden. Materialien: * Umhang oder Schild zur Kennzeichnung eines Freiwilligen als “Unser Körper" * 4 Hauben der “Weißen Blutkörperchen" * 4 Krankheitsmasken, z.B. Husten, Fieber, Malaria und HIV * Schild, auf dem AIDS steht Beschreibung: Interaktives Spiel mit Publikumsbeteiligung. Durchführung: Bei diesem Spiel ist es die Aufgabe des Referenten, die Freiwilligen in ihre Rollen einzuweisen und den spielerisch dargestellten Prozess zu erläutern. Die Erläuterung stellt den Bezug zum vorherigen Modul “AIDS-Graph" her. Ein Freiwilliger stellt “Unseren Körper" dar und postiert sich vor dem Publikum. Darüber hinaus besitzt “Unser Körper" ein Immunsystem, dargestellt durch vier Freiwillige, die durch Hauben als “Weiße Blutkörperchen" erkennbar sind. Nacheinander stellen weitere Freiwillige mehr oder weniger bedrohliche Krankheiten dar, indem sie die Krankheitsmasken aufsetzen. Das Publikum beobachtet nun, wie Husten, Fieber, Malaria [oder andere] nacheinander versuchen, “Unseren Körper" anzugreifen. Es kommt zu kleinen Kämpfen und Rangeleien, doch “Unser Körper" ist durch die ihn umgebenden “Weißen Blutkörperchen" gut geschützt. Sein Immunsystem kann die Bedrohungen abwehren. Das HI-Virus versucht jedoch nicht “Unseren Körper" anzugreifen, sondern die “Weißen Blutkörperchen" und zieht diese vom Körper weg. [Dieser Prozess kann unter Verweis auf den AIDS-Graphen mehrere Jahre dauern] “Unser Körper" ist nun schutzlos, anstatt der “Weißen Blutkörperchen" steht neben ihm das HIV. Schließlich haben die Krankheiten leichtes Spiel und können “Unseren Körper" ungehindert angreifen. Es gibt kein Immunsystem mehr, welches gegen die Krankheiten ankämpfen kann und “Unser Körper" wird zunehmend schwächer. Diesen kranken und schutzlosen Zustand [“Unser Körper" umgeben von “HIV", “Husten", “Fieber" und “Malaria"] bezeichnet der Referent als AIDS. Das AIDS-Schild wird hochgehalten. Am Ende dieses Spiels erscheint es uns wichtig, auf den Beispielcharakter der Krankheiten Husten, Fieber und Malaria hinzuweisen, um der Entwicklung von Stereotypen und Stigmatisierung vorzubeugen. Es handelt sich um eine allgemeine Immunschwäche, die den Körper gegenüber vielfältigen Krankheiten schutzlos werden lässt. [Erreger (Bakterien, Viren, Pilze usw.) und nicht Krankheiten bzw. damit verbundene Symptome greifen den Körper an. Ist die Abwehrreaktion unzureichend oder der Angriff so massiv, entwickelt sich eine Krankheit. Das HI-Virus ist keine Krankheit, es handelt sich um einen Erreger. Wir sind uns dieser grundsätzlichen Vereinfachungen, die zu besserer Verständlichkeit beitragen sollen, bewusst.] Dauer: 15 Minuten. Probleme: * Es handelt sich bei dieser Darstellung natürlich um eine Vereinfachung, die auch zu Verwirrung führen kann, da Symptome, Erreger, Krankheiten und in Teilen deren Ursache-Wirkungs-Verkettungen bunt durcheinander gewürfelt werden. > Mehr oder weniger starke Differenzierung (z.B. Erreger als Masken) je nach Vorwissen des Publikums Fragen: [In diesem Abschnitt geht es uns darum, beispielhaft ein paar Fragen und unsere Antworten bzw. Antwortstrategien knapp darzustellen.] * Woher kommt HIV/AIDS? Antwort: Das ist eine hoch interessante Frage, aber wir wissen es leider auch nicht. Es gibt verschiedene Meinungen [Europa, Afrika, Asien, Amerika] darüber, doch ist es bisher nicht sicher. Weißt Du woher Malaria oder Polio kommen? Ist es denn überhaupt wichtig? HIV, Malaria und Polio existieren und sie sind eine Gefahr für uns alle. Darum müssen wir uns darauf konzentrieren, diesen Krankheiten entgegen zu treten und uns so gut wie möglich davor zu schützen. Vor Studenten oder Schülern der Oberstufe sprachen wir auch über die verschiedenen Typen und Subtypen des HI-Virus, von denen alle in Afrika verbreitet sind, wohingegen auf anderen Kontinenten nur ein HIV-Typ dominiert. Mit einer hohen Wahrscheinlichkeit liegt in Afrika der Ursprung des HIV. [Der letzte Absatz ist jedoch sehr heikel und kann Menschen vor den Kopf stoßen. Wir empfehlen, ihn Im Zweifelsfall wegzulassen.] * Gibt es typische Zeichen einer HIV-Infektion? Woran erkennt man HIV-positive Menschen? Antwort: Ein HIV-Test ist die einzige Möglichkeit, sicher zu sein, ob man selbst oder ein anderer HIV-positiv ist. AIDS ist eine Immunschwächeerkrankung, mit der grundsätzlich alle Symptome einhergehen können. Häufige Symptome sind chronischer Durchfall, hoher Gewichtsverlust, lang anhaltendes und hohes Fieber, Müdigkeit und nächtliche Schweißausbrüche. Diese Symptome können jedoch auch eine andere Ursache haben, z.B. eine nicht mit einer HIV-Infektion verbundene Tuberkulose, und sind nicht immer auf eine HIV-Infektion zurückzuführen. [evtl. Thematisierung von Stigma] 2.5 Ampelspiel Ziele: Dieses Modul soll klären, auf welchen Infektionswegen HIV übertragen wird und welche Situationen ein Risiko bzw. kein Risiko der HIV-Infektion darstellen. Risikoverständnis. Materialien: * ein roter und ein grüner Kreis - die Ampel * Tafeln beschriftet mit Blut, Muttermilch, Samen und Scheidenflüssigkeit * Gegenstände und Tafeln, die mögliche und unmögliche Übertragungswege darstellen, z.B. Rasierklinge, Spritzenbesteck, Schwamm, Ball, Teller, Kamm und Bilder, die eine stillende Mutter, ein Moskito, einen Kuss, sexuellen Verkehr zeigen Beschreibung: Interaktives Spiel mit Publikumsbeteiligung. Durchführung: Zunächst werden die verschiedenen Körperflüssigkeiten - Schweiß, Speichel, Urin, Blut usw. - aufgezählt. Doch nur einige davon können HIV übertragen. Blut, Muttermilch sowie die Geschlechtsflüssigkeiten sind die Körperflüssigkeiten, die potentiell HIV übertragen können. Die entsprechenden Tafeln werden auf einer Seite an die Wand geklebt. Der Referent gibt zu jeder der drei Körperflüssigkeiten ein Übertragungsbeispiel. Anschließend wird auf der Seite der gefährlichen Flüssigkeiten die rote Scheibe angebracht, auf der noch leeren Seite der Wand die grüne. Das Verständnis dieser Informationen wird nun mit Hilfe von Gegenständen und Tafeln geprüft. Das Publikum wird aufgefordert, die im Folgenden präsentierten Gegenstände und Tafeln der roten, gefährlichen Seite oder der grünen, sicheren Seite zuzuordnen. Die Zuordnung erfolgt mittels Handzeichen und Rufen. Gegenstände und Tafeln, die Uneinigkeit hervorrufen, werden ausführlich thematisiert. Nach unserer Erfahrung sind das häufig Kuss und Moskito. Dauer: 20 Minuten. Fragen: * Wieso ist ein Kuss risikolos? Was ist, wenn einer der Partner eine blutende Wunde hat? Antwort: Würdest du jemanden küssen, der eine blutende Wunde hat? Bei einem Zungenkuss besteht jedoch eine sehr geringe Gefahr der Infektion. * Warum übertragen Moskitos nicht HIV? Antwort: Die Moskitos verdauen das von ihnen abgezapfte Blut. Dabei wird das HIV zerstört. * Wenn der Mann positiv ist und mit seiner Frau ein Kind zeugt, ist es dann positiv? Antwort: Kann sein, muss aber nicht. Die Samenflüssigkeit enthält das HI-Virus, nicht jedoch die einzelnen Spermien, von denen eines mit der Eizelle verschmilzt. * Was ist, wenn sich jemand rächen will und sein Blut unter Trinkwasser oder in das Essen mischt? Antwort: Es besteht keine Gefahr einer HIV-Infektion. Sowohl Essen als auch Trinkwasser werden verdaut. Dabei wird das HI-Virus zerstört. Darüber hinaus ist das HI-Virus nur für einen begrenzten Zeitraum außerhalb des Körpers überlebensfähig. Dieser Zeitraum wird durch Hitze stark verkürzt. Eine genaue und verlässliche Angabe ist jedoch nicht möglich. [evtl. Thematisierung von Stigma] Erweiterungen und Alternativen: * In Abhängigkeit vom Bildungsstand des Publikums können auch differenziertere, wissenschaftliche Antworten gegeben werden. So z.B. dass jede Körperflüssigkeit das HI-Virus enthält, jedoch nur in Blut, Muttermilch und Geschlechtsflüssigkeiten eine entsprechende Konzentration vorliegt, die eine Übertragung ermöglicht. 2.6 Boote der Hoffnung Bei den Booten der Hoffnung handelt es sich um eine weit verbreitete Strategie in Afrika, auf der auch das Ghanaische HIV/AIDS Präventionsprogramm fußt. Zentral sind die Schutzmöglichkeiten Abstinenz, Treue und Kondomgebrauch. Die Boote der Hoffnung bieten so die Möglichkeit, christliche oder muslimische Geistliche und Konservative, die sich kategorisch gegen Kondome aussprechen, einzubinden. Gerade diese Einbindung ist in stark religiösen Gesellschaften wie Ghana wichtig. Ziele: Das Publikum weiß, wie man sich wirkungsvoll vor einer HIV-Übertragung schützen kann. Der Schwerpunkt liegt dabei auf sexueller Übertragung. Materialien: * Gegenstände aus dem Ampelspiel * großes blaues Tuch mit drei aufgenähten Booten * laminierte Figuren - Personen verschiedenen Alters, verschiedener Tätigkeiten sowie Krokodile [Die hierfür notwendigen Materialien sind über die John Hopkins University erhältlich] Beschreibung: Visualisierende Einheit mit Publikumsbeteiligung Durchführung: Nacheinander werden die drei Körperflüssigkeiten - Blut, Muttermilch und Geschlechtsflüssigkeiten - thematisiert. Der Referent greift die Spritze und die Rasierklinge aus dem vorhergehenden Spiel heraus. Hierbei erscheint es uns wichtig, auf die Verwendung von Einwegspritzen, die nach Gebrauch verworfen werden und unserem Wissen nach krankenhausweit angewandt werden, hinzuweisen. In anderen Fällen kann der Übertragungsgefahr durch Sterilisieren, z.B. 10-minütiges Abkochen, vorgebeugt werden. Ein gemeinsames Benutzen der Rasierklinge, die zu einem geringen Preis erhältlich sind, sollte vermieden werden. Bei Friseuren verwiesen wir auf solche, die über Maschinen zur Sterilisierung verfügen. Hinsichtlich Muttermilch müssen die Referenten im Vorfeld klären, welche Empfehlungen sie abgeben, da eine hygienische Zubereitung alternativer Produkte oft schwierig ist und somit Widerstandsfähigkeit und Wachstum stark beeinträchtigt. Wir empfehlen in absteigender Reihenfolge für den Fall einer Mutter mit HIV a) die Verwendung von Ersatzprodukten unter der Voraussetzung einer hygienischen Zubereitung; b) die Übernahme des Stillens durch eine andere, nachweislich HIV-negative Frau und zuletzt c) das Stillen des Kindes durch die infizierte Mutter. Sexueller Verkehr ist jedoch nach bisherigen Erkenntnissen der häufigste Übertragungsweg in Afrika, weshalb wir uns darauf konzentrierten. Der Referent verwendet hierzu ein großes blaues Tuch mit drei aufgenähten Booten, die die Schutzmöglichkeiten ABC - “Abstinence", “Being Faithful", “Condom Use" - symbolisieren, sowie verschiedene laminierte Figuren. Der blaue Hintergrund soll verdeutlichen, dass es sich um eine Flut, die HIV-Epidemie, handelt, in der man ohne geeignete Schutzmaßnahmen ertrinkt, sprich sich mit HIV infiziert. Zunächst werden einige Personen, die sich nicht gegen HIV schützen, geopfert, indem sie mit den Füssen nach oben in der Flut bzw. den Einstecktaschen des Tuches ertrinken. Niemand ist zum Ertrinken verdammt und so werden anschließend Figuren personalisiert und in möglichst glaubhaften kleinen Geschichten den verschiedenen Booten Abstinenz, Treue und Kondomgebrauch zugeordnet. In diesem Zusammenhang werden die Boote erläutert. Die Figuren können die Boote wechseln, wenn sich ihre Meinung oder Lebenssituation ändert. Wichtig ist, dass sie immer in einem der Boote bleiben, um sich zu schützen. Weiterhin ruft der Referent diejenigen, die schon einem der drei Boote angehören, dazu auf, anderen Freunden oder Bekannten in die Boote zu helfen. Abschließend kann man die Sicherheit bzw. Seetauglichkeit der einzelnen Boote thematisieren. Den sichersten Schutz bietet das Boot Abstinenz, wohingegen Kondome in wenigen Fällen platzen oder reißen können und Treue eben auch die Treue des Partners einschließt und sich somit einer völligen Kontrolle entzieht. Dauer: 20 Minuten. Probleme: * Das ABC-Konzept ist im Englischen schlüssig, verliert aber in der Regionalsprache und in anderen Sprachen seine Eselsbrücke. Erweiterungen und Alternativen: * Nachdem das ABC-Konzept ausführlich erklärt ist, werden die laminierten Figuren im Publikum verteilt. Die laminierten Figuren werden nun durch Personen aus dem Publikum zugeordnet, indem diese einzeln vortreten. Die Personen erzählen, wahlweise in Amts- oder Regionalsprache, eine Geschichte zu ihrer Figur und stecken sie anschließend in eines der Boote oder in die Flut. Der Referent sollte sich einzelne Namen und Erzählungen merken, um später an diese anknüpfen zu können. Diese Alternative hat sich im Vergleich zur oben beschriebenen bewährt, sie ist jedoch nicht auf Video dokumentiert. * Wenn kein Tuch zur Verfügung ist, können die Boote und Figuren auch gezeichnet und laminiert werden. Mit Brücken aus Papierstreifen lassen sich die einzelnen Boote verbinden, um die Möglichkeit des Wechsels darzustellen. 2.7 Kondom-Demonstration Ziele: Das Publikum weiß über den Zweck und die richtige Anwendung von Kondomen Bescheid. Gerüchte sind ausgeräumt. Materialien: - ungebrauchte Männer- und Frauenkondome - Holzpenis Beschreibung: Übungseinheit mit Publikumsbeteiligung. Durchführung: Der Referent sollte die Bedeutung von Kondomen herausstellen. HIV/AIDS ist weit verbreitet und vorehelicher Sex ist keine Seltenheit. Wer diese Fakten anerkennt, muss auf die Möglichkeit von Kondomen hinweisen. Sonst vorenthält er wirksame Schutzmöglichkeiten. Männerkondom: Der Referent demonstriert die sachgemäße Anwendung. Dabei achtet er auf die Unversehrtheit und das Verfallsdatum des Kondoms bevor er es an den dafür vorgesehenen Stellen mit den Händen öffnet. Anschließend weist er auf die Bedeutung des Reservoirs hin, hält dieses gedrückt und zieht das Kondom über den Holzpenis. Nach der Ejakulation wird das Kondom am Penisschaft festgehalten und aus der Scheide gezogen. Danach wird ein Knoten in das Kondom gemacht und es entsorgt - Verbrennen, Vergraben oder Mülleimer. Weitere Information über Einmaligkeit der Verwendung, Preis und Bezugsmöglichkeiten folgen der Demonstration. Nach der Demonstration bittet der Referent einen Freiwilligen nach vorn, der die Anwendung nochmals vorführt. Dem Freiwilligen sollten genügend Zeit und Hinweise gegeben werden, auftretende Probleme werden thematisiert. Frauenkondom: Bei dem Frauenkondom erscheint uns eine Referentin geeigneter, da sie glaubwürdiger ist. Am Anfang gelten die gleichen Schritte wie bei dem Männerkondom - Unversehrtheit, Verfallsdatum und Öffnen. Das Frauenkondom unterscheidet sich vom Männerkondom durch dickwandigeren Latex, eine höhere Beigabe an Gleitmittel und zwei Ringe. Die beiden Ringe dienen dem inneren und äußeren Halt des Kondoms. Der innere Ring hat darüber hinaus den Zweck, das Kondom leichter einzuführen. Zur Vorführung kann eine Hand die Scheidenöffnung symbolisieren. Eine Gebrauchsanleitung befindet sich auf der Verpackung. Strittig ist die Häufigkeit der Anwendung. Wir empfehlen eine einmalige Anwendung und die anschließende Entsorgung. Jedoch kann das Frauenkondom mehrere Stunden vor dem sexuellen Verkehr eingeführt werden. Weitere Information über Preis und Bezugsmöglichkeiten folgen der Demonstration. Im Anschluss an die Demonstrationen verweist der Referent darauf, dass Männer- und Frauenkondome nicht gemeinsam verwendet werden sollen und auch die Dopplung von Männerkondomen unterlassen werden soll. Mit der Ansicht, dadurch einen besseren Schutz zu haben, liegt man falsch. Tatsächlich verringert sich der Schutz, da das Aneinander reiben der Kunststoffe zu Rissen führen kann. Außerdem erklärt der Referent nochmals die Rangfolge der Schutzmöglichkeiten und betont Abstinenz als den sichersten Schutz. Dauer: 15 Minuten. Probleme: * Das Aufklärungsprogramm findet in einem religiösen Umfeld, einer Kirche, Moschee oder einem religiösen Jugendtreffen, statt. > Die Empfehlung des Kondomgebrauchs ist stets eine Gratwanderung zwischen dem Schutzbedürfnis der Jugend und religiösen, konservativen Einstellungen örtlicher Würdenträger. Hier empfiehlt es sich im Vorfeld die Position der Verantwortlichen abzuklären, um niemanden zu beleidigen. Sind die Verantwortlichen Kondomen gegenüber nicht aufgeschlossen, sollte das Modul gänzlich weggelassen und im Rahmen der “Boote der Hoffnung" knapp auf Kondome eingegangen werden. Anhand unserer Erfahrung ergeben sich auch in religiösen Kontexten Fragen zu Kondomen, so dass die Referenten auch ohne das Modul “Kondom-Demonstration" die Möglichkeit zur Vertiefung haben. Fragen: * Ich habe gehört, dass Kondome leicht platzen oder, dass die Poren der Kondome größer sind als das HI-Virus? Antwort: Bei sachgemäßer Anwendung ist die Chance, dass ein Kondom platzt sehr gering, ca. 2 von 100. Einen hundertprozentigen Schutz bieten sie somit nicht. Eventuell kann ein Kondom aufgeblasen werden, um dessen Elastizität vor Augen zu führen. Kondome sind aus Latex und haben keine Poren. * Welche Marke könnt ihr empfehlen? Passen Kondome zu unterschiedlich großen Penisse? Antwort: Eine Marke zu empfehlen fiel uns schwer. Wir verwiesen auf Qualitätstests im Rahmen der Herstellung, die Kondome unterschiedlicher Marken in gleicher Weise erfüllen müssen. In Europa gibt es verschiedene Größen im Angebot. Dies ist in Akatsi, Ghana nicht der Fall und wir verwiesen auf die Anpassungsfähigkeit und Elastizität von Kondomen (Siehe oben). * Ich habe eine Geschichte gehört, dass in Ostafrika viele Kondome verteilt wurden und gleichzeitig die HIV-Infektionen anstiegen? Antwort: Wir kennen nicht den Wahrheitsgehalt, Kontext und die Quelle der Information. Es empfiehlt sich, nochmals die Bedeutung des sachgemäßen Umgangs mit Kondomen anzusprechen, denn nur dieser bietet umfassenden Schutz. Wird ein Kondom nicht richtig angewendet, unterscheidet sich dies nicht von ungeschütztem Geschlechtsverkehr. [Bei dieser Antwort war es uns wichtig, nicht in zu komplexe und abstrakte Erklärungsansätze abzurutschen und dadurch unverständlich zu werden] * Kann das Frauenkondom in der Frau verloren gehen und sie töten? Antwort: Nein, das Frauenkondom ist ungefährlich. Ein Eindringen in die Gebärmutter wird durch den Muttermund verhindert. Es kann auch nochmals auf die beiden Ringe verwiesen werden, die das Kondom in der richtigen Position halten. Erweiterungen und Alternativen: * Sollte noch genügend Konzentrationsfähigkeit auf Seiten des Publikums vorhanden sein, passt das Modul “Geschlechtskrankheiten im Allgemeinen" thematisch besser im Anschluss an das Modul “Boote der Hoffnung" und im Vorfeld des Moduls “Kondom-Demonstration". 2.8 Geschlechtskrankheiten im Allgemeinen Ziele: Das Publikum weiß, dass die “Boote der Hoffnung" auch vor anderen Geschlechtskrankheiten, von denen AIDS eine ist, schützen. Weiterhin weiß es um das erhöhte Risiko einer HIV-Infektion bei unbehandelten Geschlechtskrankheiten und erhält ganz allgemeine Informationen zu deren Symptomen, Krankheitsverläufen sowie Behandlungsmöglichkeiten. Materialien: * keine notwendig, evtl. Broschüren zu Geschlechtskrankheiten Beschreibung: Frontale Lehreinheit. Durchführung: Der Referent verweist auf dem weiteren Nutzen der “Boote der Hoffnung". Sie bieten auch zuverlässigen Schutz vor anderen Geschlechtskrankheiten wie z.B. Syphilis, Gonorrhöe und Hepatitis. Wenn möglich sollten die entsprechenden Bezeichnungen der Regionalsprache verwendet werden. Geschlechtskrankheiten im Allgemeinen sind nicht zu unterschätzen, können sie doch unbehandelt Unfruchtbarkeit, den Tod und andere zur Folge haben. Der Referent sollte anschließend die wesentlichen Symptome benennen und auf Behandlungsmöglichkeiten verweisen. Anhand der Symptome kann anschaulich erklärt werden, warum Geschlechtskrankheiten, vorausgesetzt der Partner ist HIV-positiv, die Wahrscheinlichkeit einer HIV-Infektion erhöhen. Bei den Behandlungsmöglichkeiten ist es besonders wichtig, dass die betreffende Person gemeinsam mit ihren Sexualpartnern ärztliche Behandlung aufsucht, da es sonst zu einer wiederholten Ansteckung und somit einem kurzweiligen Behandlungserfolg kommen kann. Dauer: 10 Minuten. Probleme: * Dieses Modul ist durch seine frontale Wissensvermittlung wenig geeignet, das Publikum nach mehr als einer Stunde bei Laune zu halten. Verbesserungen in der Art und Weise der Darbietung sollten angestrebt werden. Wie oben bereits ersichtlich, schalteten wir die “Kondom-Demonstration" zwischen “Boote der Hoffnung" und “Geschlechtskrankheiten im Allgemeinen". Fragen: * Stimmt es, dass wenn ich Syphilis habe, ich später AIDS bekomme? Antwort: Nein. Syphilis und AIDS sind beide Geschlechtskrankheiten. HIV ist die Ursache von AIDS. Bei Vorliegen einer Geschlechtskrankheit [hier Syphilis] ist die Wahrscheinlichkeit, sich während ungeschütztem Verkehr mit einem HIV-positiven Partner mit HIV zu infizieren, größer. Erweiterungen und Alternativen: * Das Modul “Geschlechtskrankheiten im Allgemeinen" verwendten wir in Gemeinden. In Schulen, in denen das Durchschnittsalter viel geringer ist, verwenden wir stattdessen “Leticia's Geschichte", die die Bedeutung einer jungendliche Schwangerschaft veranschaulichen soll. Die Geschichte zielt auf einen verantwortungsvollen Umgang mit Sexualität, und zeigt plakativ die möglichen Folgen jungendlicher Schwangerschaft. 2.9 Leticias Geschichte Ziele: Das Publikum weiß um die Bedeutung und möglichen Konsequenzen von Sex im Jugendalter und es entwickelt eine bildhafte Vorstellung, die eigenes Verhalten kritisch hinterfragen und Haltungen verändern lässt. Materialien: * überspitzte Geschichte, wenn möglich in Regionalsprache Beschreibung: Erzählung. Durchführung: Die Geschichte zielt ab auf 10 bis 17-jährige Schüler und Jugendliche, die bald erste sexuelle Erfahrungen sammeln werden, gerade dabei sind oder zum Teil schon gesammelt haben. Vorgetragen wird die Geschichte in verteilten Rollen - Erzähler, Leticia, Grando, Leticia's Vater und Mutter, Ehemann. Die verwendeten Namen und die dargestellten Situationen sollten auf den lokalen Kontext angepasst werden. Da unsere Geschichte nicht in der Regionalsprache abgefasst ist, wurde sie anschließend in der Regionalsprache erläutert. Durch die Verwendung einfacher und prägnanter englischer Wörter konnten jedoch viele Schüler und Jugendliche dem Verlauf der Geschichte folgen. Leticia´s Story [die von uns geschriebene und verwendete Geschichte] One day Grando would take over his father's Photocopy Shop. However, at the moment he was only interested in Leticia, a 15-year-old girl from the neighbourhood. For two weeks they were secretly going out in the evening hours. Leticia had already a womanly appearance, one could clearly see her breasts and her plaited hair was very beautiful. "No Grando, we are too young and we still have time" she answered every time when Grando wanted to have sex with her. Grando did not give up: "Why do you torment me so, it is the most common thing on earth. I love you and when we are old enough we will marry anyway." She was torn apart, on the one hand she loved Grando, on the other hand she had a bad feeling about having sex with Grando. Finally she gave in. The first time was painful, however, the following times it did not hurt anymore, but did not feel good as well. She did it - for Grando. "Grando, for two months I have had no menstruation. I think I am pregnant" said Leticia. Grando was not glad about this and altogether their relationship was not like in the beginning. Some appointments he did not come and when he came they had sex but did barely speak. After Grando heard about Leticia´s pregnancy he came no more. "My feelings for you are not the same like in the beginning. I do not love you anymore" were his last words. At least she could rely on her parents Leticia thought. But her parents were very angry as they got to know about her pregnancy: "We always wanted the best for you and what are you doing? You misuse our trust. You are a disgrace for your whole family. In future you won't visit JSS again. From tomorrow on you are staying at home". Her girlfriends she only saw seldom. At the moment of the child's birth almost everybody, including her former school fellows avoided her. Nobody wanted to have something to do with her. The child she had to rise up on her own, without the support of her parents. Her mother only told her: "Be glad that you can still live in our house, in regard to the disgrace you brought about our family." The needed money for the child and herself she had to earn by selling sugar cane at her former school. This brought not much in. She seriously thought about killing herself but her relatives talked her out of it. Finally, they found a husband for her - a man who was too poor to pay a proper dowry and who was considered by most of the village girls to be quite a foolish, irresponsible and lazy person. At this point she could not say no. She felt she is such a burden to her parents that she could not refuse and so she married a man she did not even like. Leticia was now in a very sad position. Her new husband is abusive towards her: "I don't have any respect for such a discounted bride." The people in the village feel Leticia was lucky to get a husband at all considering how foolish she was in her youth. Dauer: 10 Minuten für die Geschichte und nochmals 10 Minuten für die anschließende Erläuterung in der Regionalsprache. Probleme: * Das Verständnis von Englisch oder Französisch ist in manchen Fällen sehr gering. > Hier empfiehlt es sich, auf das Vortragen der Geschichte zu verzichten und sofort mit der Erläuterung in Regionalsprache zu beginnen. Erweiterungen und Alternativen: * Sofern zeitliche Ressourcen es erlauben, kann dieses Modul aus dem Rahmen des Aufklärungsprogramms herausgelöst werden und als Stimulus für ein eigenes Programm zu Jugend, Geschlechterfragen und Sexualität dienen. Denkbar sind anschließende gemeinsame Diskussionen und Gruppenarbeit. 2.10 ABC-Lied Ziele: Zum Abschluss singen Referenten und Publikum gemeinsam ein Lied, welches das in sich geschlossene Programm überdauert und zu weiteren Enttabuisierung des Themas beitragen soll. Materialien: * Liedtext * Kopien zur Verteilung an das Publikum Beschreibung: Lied. Durchführung: Ein von den Referenten oder besser in Zusammenarbeit mit örtlichen Jugendgruppen erarbeitetes Lied wird vorgetragen. Die Strophen werden abwechselnd von den Referenten gesungen und das Publikum setzt bei den Refrains ein. Eine rhythmische Begleitung durch eine Trommel oder Gongo kann die Darbietung noch verbessern. Der hier vorgestellte Song basiert auf den “Booten der Hoffnung" und deren ABC-Konzept. Die Melodie entspricht dem Lied “Oh, Susanna" (“I come from Alabama with my banjo on my knee..."). ABC-Lied Refrain: A, B, C and AIDS won't attack me / Abstinence or Faithfulness or Condoms protect me 1. Victoria is a smart girl and she doesn't waste her life, / She abstains from sex because she knows, it's the best way to survive (Refrain) 2. Being faithful is the way of choice for Kofi and Mary-Ann, / They are standing side by side from the day their love began (Refrain) 3. Kwame loves the girls and he also loves his life, / So he uses condoms till the day he gets a wife (Refrain) 4. Also if I don't want to become young daddy or young mum/ I use A or C and the baby will not come (Refrain) 5. So if I want to avoid disease and STD, / I follow those simple rules of A or B or C! (Refrain) Dauer: 5 Minuten. Erweiterungen und Alternativen: Ein englischsprachiges Lied schließt jedoch jene aus, deren Englischkenntnisse gering sind. Durch einen glücklichen Zufall brachte uns eine Freiwillige des amerikanischen Peace Corps ein Lied zu HIV/AIDS in der Regionalsprache Ewe bei. Durch den Einsatz dieses bescheidenen Liedes konnten wir das gesamte Publikum ansprechen. Im Folgenden wird das Lied und dessen sinngemäße Übersetzung vorgestellt. Ewe-Lied 1. wobenuka ya [was sagen sie?] migble mase ye [sag es mir, und ich werde hören] maibe aids ye [sie sagen: Es ist AIDS!] 2. wobenuka ya [was sagen sie?] maibe dikanaku [sie sagen: Es ist AIDS!] 3. midschaye [Sei vorsichtig] dekakpio midschaye [Junger Mann, sei vorsichtig] midschaye [Sei vorsichtig] detugbio midschaye [Junge Frau, sei vorsichtig] 4. aids donye dobada [AIDS ist eine schlimme Krankheit] ame wum lak beme [Es wird euch töten] aids donye dobada [AIDS ist eine schlimme Krankheit] ame wum lak beme [Es wird euch töten] 2.11 Fragen, Diskussion, Standpunkte Im Anschluss an die Module geben die Referenten allen Beteiligten die Möglichkeit, Fragen zu stellen, Kritik zu üben sowie eigene Standpunkte und Sichtweisen darzustellen und vielleicht dadurch die Diskussion anzuregen. Dieser letzte Abschnitt ist auch für die Referenten von großer Bedeutung, da diese Rückkopplung ein Verständnis für die Gesamtsituation vermittelt sowie mögliche Veränderungen der Programminhalte und Vorgehensweisen anzeigt. Wichtig ist insbesondere ein Verständnis von Einstellungen und Sichtweisen, auf die man im Rahmen einer HIV/AIDS-Aufklärungskampagne trifft. Ohne deren Einbezug kann es passieren, dass eine Kampagne völlig wirkungslos bleibt. Wie oben bereits erwähnt haben wir z.B. Stigmatisierung, Isolation und deren Ursachen gegenüber der anfänglich dominierenden Wissensorientierung mehr Raum gegeben. So bietet sich auch dieses Modul an, die Sicht auf und den Umgang mit HIV-positiven Menschen nochmals ausdrücklich zu diskutieren und somit der Tabuisierung zu entreißen. Wir orientierten uns an Integration HIV-positiver Menschen anstatt deren Verdrängung, daran, dass man von HIV-positiven lernen kann im Kampf gegen die weltweite HIV-Epidemie und daran, dass niemand schuldig ist, sich mit HIV zu infizieren. Wer würde denn auf die Idee kommen, zu sagen, jemand ist schuld an seinem geringen Bildungsniveau? 3 Weitere Module Die im Rahmen dieser Dokumentation vorgestellten Module haben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und so gibt es noch viele denkbare Methoden und Ideen. Diesen Abschnitt möchten wir dazu nutzen, ein paar weitere Methoden, die wir zum Teil auch angewandt haben, vorzustellen. Zum einen sind das zwei Aktionsspiele. Das erste Spiel basiert auf dem Unser-Körper-Rollenspiel und besteht darin, mit einer begrenzten Anzahl an Würfen, Büchsen zum fallen zu bringen. Die Büchsen werden als “Unser Körper" und “Weiße Blutkörperchen" dekoriert. Bei der Aufstellung umgeben die “Weiße Blutkörperchen" “Unseren Körper". Für die Würfe gibt es zwei Bälle, einen “HIV"-Ball zum Wurf auf die “Weißen Blutkörperchen" und einen “AIDS"-Ball zum Wurf auf “Unseren Körper". Sobald man die “Weißen Blutkörperchen" mit dem “HIV"-Ball abgeschossen hat, darf man mit dem “AIDS"-Ball auf “Unseren Körper" zielen. Das zweite Spiel basiert auf den “Booten der Hoffnung". Die Boote werden ähnlich einem Hindernisparcours angeordnet. Man darf sich nur auf den markierten Brücken und in den markierten Booten bewegen. Tritt man daneben, ist das Spiel verloren. Die Ausgestaltung ist sehr frei. So kann vielleicht von einem Boot zu nächsten gehangelt oder über ein schmales Brett balanciert werden. Andererseits das Theater und Video. Für ein (Puppen-)Theaterstück gibt es unter den verschiedenen Modulen viele Anknüpfungspunkte. Beispielsweise kann Leticia's Geschichte erweitert und um Dialoge ergänzt werden, so dass man ein Drehbuch erhält. Die Referenten können das Theaterstück selbst einstudieren und vorführen oder in Zusammenarbeit mit einer örtlichen Jugendgruppe aufführen. Diese Zusammenarbeit hat den Vorteil, dass man sich näher kennen lernt und unterschiedlichste Themen wie z.B. HIV/AIDS, Sexualität und Geschlechterfragen, Gewalt und Zukunftsperspektiven aufwerfen kann. Eine weitere Möglichkeit ist die Verwendung von Videos. Videos waren in Akatsi eine Attraktion schlechthin. Wir haben den simbabwischen Film “Yellow Card", der jugendliche Schwangerschaft thematisiert, eines Abends auf dem Marktplatz gezeigt. In kürzester Zeit schauten tausend Menschen auf einen Fernseher. Wir nehmen an, dass nicht alle den englischsprachigen Film verstanden und wegen dem Ereignis der bewegten Bilder zuschauten. Bei der Verknüpfung von unterschiedlichsten Methoden und Inhalten sind der eigenen Phantasie keine Grenzen gesetzt. Darüber hinaus finden sich auch viele Anregungen in Publikationen und im Internet (Siehe Quellenverzeichnis). 4 Quellenverzeichnis www.afronets.org afrikanisches Netzwerk für Gesundheitsforschung und Entwicklung www.aids-kampagne.de/materialien/index.html Aktionsbündnis gegen AIDS getragen von verschiedenen NGOs www.aidsmap.com/organisations weltweites Verzeichnis von NGOs im Bereich HIV/AIDS www.asa-programm.de Arbeits- und Studien-Aufenthalte in Afrika, Lateinamerika, Asien und Südosteuropa (ASA) > Netzwerk für entwicklungspolitisches Lernen www.bzga.de Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung > Informationen zu Gesundheitserziehung und -förderung www.difaem.de Deutsches Institut für Ärztliche Mission > Bibliothek und Materialen zu AIDS-Aufklärung in Afrika www.hcpartnership.org Health Communication Partnership > Die M/MC Health Communication Materials Database erlaubt die Suche nach Aufklärungsmaterialen (sortiert nach Ländern, Regionen, Themen oder Medienart) www.inwent.org Organisation für internationale Personalentwicklung, Weiterbildung und Dialog > Träger des ASA-Programms www.jhuccp.org John Hopkins University Center for Communication Programs > Dokumentation über Maßnahmen zur weltweiten Gesundheitsvorsorge www.steppingstonesfeedback.org Stepping Stones > Trainingspaket inklusive Video für Gemeindearbeit zu Gender, HIV/AIDS, Kommunikation und Beziehungskompetenzen; exzellente Bandbreite an Spielen und Gruppenaktivitäten www.der-ueberblick.de/archiv/200003/content.html Der Überblick > Schwerpunktthema 3/2000: AIDS - Die neue Plage Afrikas www.unaids.org Joint United Nations Program on HIV/AIDS > Bibliothek sowie epidemiologische Zahlen und Fakten www.who.int World Health Organization www.yellow-card.org “Yellow Card" > zimbabwischer Film über HIV/AIDS und jugendliche Schwangerschaft, produziert von Media for Development (http://site.mweb.co.zw/mfd/) Ansprechpartner: Tobias Troll 96 rue des Maraîchers 75020 Paris France Tel: +33-1-55797586 Mobil:+33-6-17663046 tobias.troll@gmx.de Sven Voigtländer Auerbachstrasse 52 07549 Gera Deutschland Mobil1: +49-179-9028530 Mobil2: +372-55552686 s-voigtlaender@web.de Irma Welinsky Oberdorfstrasse 24A 78465 Konstanz Deutschland Tel: +49-07533-4858 welinsky@gmx.de